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23.10.2017 Alle Artikel

Arbeitsproduktivität messen: Wie effektiv ist der Einsatz des Faktors Arbeit?

Was ist unter Arbeitsproduktivität zu verstehen?

Wie effektiv wird der Produktionsfaktor Arbeit eingesetzt? Ein Maß für die Wirksamkeit des Produktionsfaktors Arbeit ist die Arbeitsproduktivität. Sie gibt das Verhältnis zwischen Output und Arbeitseinsatz an. Die betriebswirtschaftliche Arbeitsproduktivität ist Teil der Gesamtproduktivität eines Unternehmens, die sich aus dem Verhältnis zwischen Output und allen eingesetzten Faktormengen (Summe aus Arbeit, Kapital und Material) ergibt. Wird nur ein Einsatzfaktor betrachtet, wie bei der Arbeitsproduktivität der Faktor Arbeit, handelt es sich um eine Teilproduktivität: Der Output ist nicht allein auf den Faktor Arbeit zurückzuführen. Die Arbeitsproduktivität stellt eine Mengenbeziehung zwischen Output (Ausbringungsmenge, Wertschöpfung) und Arbeitsleistung bzw. Arbeitseinsatz dar. Sie errechnet sich, indem man den Output durch den Arbeitseinsatz dividiert und mit 100 multipliziert. Zum Output zählen beispielsweise Stückzahlen, Volumen- oder Zeitangaben, Wertschöpfung und Umsatzhöhe. Der Input bezieht sich z. B. auf die Anzahl der Arbeitsstunden bzw. Arbeitstage oder die Menge der eingesetzten Mitarbeiter. Betrachtet werden können dabei das Gesamtunternehmen, Mitarbeitergruppen, einzelne Mitarbeiter oder Organisationseinheiten. Die Arbeitsproduktivität kann an den jeweiligen Informationsbedarf im Unternehmen angepasst werden (z. B. Produktionsmenge pro Tag, bearbeitete Anträge pro Stunde, monatlicher Umsatz pro Mitarbeiter, Kunden pro Mitarbeiter). Um die Entwicklung der Arbeitsproduktivität zu beobachten, wird die Kennzahl regelmäßig, z. B. monatlich oder jährlich erhoben.

Wozu wird die Kennzahl Arbeitsproduktivität verwendet?

Die Arbeitsproduktivität ist für die Personalplanung und Produktionsplanung interessant. Beispielsweise lassen sich mithilfe der Kennzahl die benötigten Kapazitäten für einen Auftrag feststellen. Weist ein Unternehmen ein fixes Verhältnis an Mitarbeitern und zu bearbeitenden/zugewiesenen Kunden auf, geht eine Änderung der Kundenzahl mit einem veränderten Personalbedarf einher. Im Groß- und Einzelhandel deutet ein steigender Umsatz oft auf einen höheren Personalbedarf hin. Darüber hinaus kann die Kennzahl der Arbeitsproduktivität genutzt werden, um die Leistungen von Organisationseinheiten oder, im Falle der individuellen Arbeitsproduktivität, von Mitarbeitern zu vergleichen. Die individuelle Produktivität kann eine Entscheidungsgrundlage für Personalentscheidungen bieten, etwa bei der Entscheidung, ob ein Mitarbeiter eingestellt oder nach der Probezeit übernommen wird oder ob ein besonders produktiver Mitarbeiter befördert wird. Soll-Ist-Vergleiche ermöglichen Aussagen darüber, ob die ermittelten Ist-Werte der Arbeitsproduktivität den Soll-Werten entsprechen oder ob Abweichungen vorliegen. Zeitvergleiche durch regelmäßige Erhebungen lassen Aussagen zu der Entwicklung der Arbeitsproduktivität zu. Eine steigende Arbeitsproduktivität kann ein Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens oder die Mitarbeiterzufriedenheit sein. Eine Erhöhung der Arbeitsproduktivität muss allerdings nicht zwingenderweise auf eine Leistungssteigerung zurückzuführen sein, sondern kann beispielsweise auch die Folge eines verbesserten Einsatzes von Betriebsmitteln sein. Einen Einfluss auf die Arbeitsproduktivität haben etwa der technologische Fortschritt, Maschinen und anderes Kapital, die Gesundheit und Motivation der Mitarbeiter usw. Eine steigende Arbeitsproduktivität ist nicht immer positiv zu bewerten und sollte im Kontext der Gesamt- und Kapitalproduktivität betrachtet werden. So kann eine Erhöhung der Arbeitsproduktivität beispielsweise auch mit höheren Investitionen und steigende Kapitalkosten einhergehen. Prinzipiell bestehen zwei Möglichkeiten zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität

  • eine Verringerung der Inputgröße (z. B. durch Rationalisierung) 
  • eine Erhöhung der Outpurgröße (z. B. durch die Weiterbildung und Qualifizierung von Mitarbeitern, den Ersatz geringqualifizierter Mitarbeiter durch höherqualifizierte Arbeitnehmer…)

Volkswirtschaftliche Arbeitsproduktivität

Abzugrenzen ist die betriebswirtschaftliche Arbeitsproduktivität von der volkswirtschaftlichen Arbeitsproduktivität, die im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung Anwendung findet. Sie gibt Auskunft über die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft und gilt als Maß für die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität ergibt sich aus dem Bruttoinlandsprodukt (BIP real) dividiert durch die eingesetzten Arbeitseinheiten (z. B. Anzahl der Arbeitnehmer, Anzahl der Arbeitsstunden). Dadurch lässt sich ermitteln, wie hoch der Produktionswert je Arbeitnehmer oder Stunde (Stundenproduktivität) ist. Unterschieden wird zwischen der durchschnittlichen Arbeitsproduktivität und der marginalen Arbeitsproduktivität: 

  • Die durchschnittliche Arbeitsproduktivität gibt die Produktionsmenge bzw. Arbeitsmenge an, die pro eingesetzter Einheit des Faktor Arbeit erzielt wurde. 
  • Die marginale Arbeitsproduktivität – auch Grenzproduktivität des Faktors Arbeit – zeigt an, wie hoch der Produktionszuwachs bei Erhöhung des Faktors Arbeit um eine Einheit ist.

Fazit

Die Arbeitsproduktivität ist ein Maß für die Wirksamkeit des Produktionsfaktors Arbeit. Sie gibt das Verhältnis zwischen Output (Ausbringungsmenge) und dem Arbeitseinsatz an. Im Gegensatz zur Gesamtproduktivität, die die Relation zwischen Output und aller eingesetzten Faktormengen (Arbeit, Kapital, Material) darstellt, handelt es sich bei der Arbeitsproduktivität um eine Teilproduktivität: Eine Änderung der Outputmenge ist nicht notwendigerweise auf eine alleinige Änderung der Arbeitsleistung zurückzuführen, sondern kann beispielsweise auch durch einen verbesserten Einsatz von Betriebsmitteln erfolgen. Ebenso wenig ist eine Erhöhung der Arbeitsproduktivität zwingendermaßen positiv zu bewerten und sollte im Kontext der Gesamt- und Kapitalproduktivität betrachtet werden. Um eine Erhöhung der Arbeitsproduktivität herbeizuführen, besteht die Möglichkeit, die Inputgröße zu verringern (z. B. durch Rationalisierung) oder die Outpurgröße zu erhöhen (z. B. durch Qualifizierung der Mitarbeiter). Im Kontext einer Volkswirtschaft kann die Arbeitsproduktivität als Maß für die internationale Wettbewerbsfähigkeit verwendet werden. Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität ergibt sich aus dem Bruttoinlandsprodukt dividiert durch die eingesetzten Arbeitseinheiten. 

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